25.03.2026 | 19:00 Uhr
Ernst-Troeltsch-Raum, Annahof (Holl-Bau), Augsburg
Dass die Friedensstadt Augsburg kolonial verflochten ist, zeigt das historische Kapitel der sogenannten »Welser-Kolonie«. Die Augsburger Welser erhielten im Jahr 1528 die Kolonie Klein-Venedig (heute Venezuela) als sogenanntes »Lehen« mitsamt aller Handels- und Ausbeutungsprivilegien von der spanischen Krone. Zusätzlich erhielten sie die Erlaubnis, tausende versklavte Menschen von der westafrikanischen Küste in die Karibik zu transportieren. Was oft als frühe Handelsgeschichte erzählt wird, ist also Teil einer transatlantischen Geschichte von Ausbeutung und Versklavung. Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels am 25.03. interessiert uns: Welche historischen Spuren kolonialer Gewalt wirken bis heute fort und welche Konsequenzen ergeben sich für eine verantwortungsvolle Erinnerungspraxis und unseren Umgang mit der Gegenwart, in Augsburg und darüber hinaus?
Im Zentrum des Abends steht ein moderiertes Podium, in dem das Fortwirken kolonialer Gewaltverhältnisse in aktuellen Entwicklungen in Kolumbien und Venezuela diskutiert wird. In Kurzimpulsen der Referent*innen Magda Agudelo, Alejandro Ceballos und Jochen Kleinschmidt kommen kolumbianische und venezolanische Perspektiven, sowie politikwissenschaftliche, dekoloniale und erfahrungsbasierte Kontextualisierungen ins Gespräch, bevor Raum für Fragen, Diskussionen und Austausch mit dem Publikum geboten wird. Der Abend verbindet historisches Gedenken mit einer politischen Gegenwartsreflexion. Sie erleben eine Perspektivverschiebung, in der die Augsburger Geschichte der »Welserkolonie« nicht nur erinnert, sondern aus heutigen lateinamerikanischen Perspektiven – mit Blick auf aktuelle Konfliktlinien in Kolumbien und Venezuela, wie etwa die US-Militärintervention in Venezuela, Konflikte um Rohstoffe und Extraktivismus – neu gerahmt wird.
Mit:
· Magda Agudelo (darstellende Künstlerin & Literaturwissenschaftlerin)
· Alejandro Ceballos (Umweltwissenschaftler)
· Jochen Kleinschmidt (Politikwissenschaftler, TU Dresden)
· Moderation: Christina Pauls (Friedens- und Konfliktforscherin, Universität Augsburg)
Magda Agudelo ist darstellende Künstlerin und Literaturwissenschaftlerin. Sie wurde in Kolumbien geboren und lebt seit 2004 in Deutschland. Sie studierte Schauspiel an der Academia Superior de Artes de Bogotá (ASAB) und Germanistik an der Universität Augsburg. Mit dem Schwerpunkt Stückentwicklung und performative Ausdrucksformen in (un)konventionellen Räumen arbeitet Magda Agudelo hauptsächlich mit interdisziplinären Künstlerkollektiven in Deutschland und Kolumbien. Viele Projekte, an denen sie beteiligt ist, setzten sich mit gesellschaftskritischen Themen auseinander, wie de-koloniale, emanzipatorische Prozesse und Umgang mit Natur-Ressourcen. Zusammen mit dem theater.prekariat und La Fuchsia Kollektiva gastierte sie bereits 2022 mit der Performance Intersecciones I im Fugger und Welser Erlebnismuseum.
Alejandro Ceballos ist Umweltwissenschaftler und Referent zu den Themen Extraktivismus und Klimagerechtigkeit. Geboren in Venezuela, studierte er Umweltwissenschaften an der Universidad Yacambu. Einen Master in Umweltmanagement absolvierte er an der Universität Hohenheim sowie an der Kopenhagen Universität, wo er mehrere Jahre zu Klimawandel und Ernährungssystemen forschte. Inhaltlich beschäftigt er sich mit Extraktivismus, kolonialen Kontinuitäten, Klimagerechtigkeit, Rassismus, Eurozentrismus und epistemischer Gewalt. Zudem war und ist er mit basisnahen Initiativen in Venezuela im Bereich ökologischer und urbaner Landwirtschaft verbunden. Im Juli 2021 war er Gast in einem Podcast des Weltfunk Augsburg in Kooperation mit dem Fugger und Welser Erlebnismuseum.
Jochen Kleinschmidt ist Politikwissenschaftler. Er promovierte 2014 an der LMU München und arbeitet gegenwärtig als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Politik an der TU Dresden. Zuvor lehrte er unter anderem an der Universidad del Rosario in Bogotá, Kolumbien, der Universidad EAFIT in Medellín, Kolumbien, und der Universität der Bundeswehr München. An der Katholischen Universität Eichstätt war er Koordinator des Zentralinstituts für Lateinamerikastudien. Er beschäftigt sich mit Themen aus der Konfliktforschung wie etwa der Rolle neuer Technologien in bewaffneten Konflikten, der Grauzonenkriegführung, der organisierten Kriminalität, aber auch mit Theorien der Internationalen Beziehungen und der historischen Soziologie.
Christina Pauls ist Friedensforscherin und arbeitet schwerpunktmäßig zu Erinnerung, Frieden und Identität. Sie ist Geschäftsführerin des Transferzentrums Frieden Augsburg und freiberuflich als Beraterin für gesellschaftliche Konflikttransformation und soziale Bewegungen tätig, sowie als Bildungsreferentin für Globales Lernen, Friedensbildung, Kritisches Weißsein und kolonialkritische Bildung. Sie engagiert sich erinnerungsaktivistisch und setzt sich für eine Anerkennung und Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte ein.
Veranstalter: Transferzentrum Frieden Augsburg, in Kooperation mit dem Evangelischen Forum Annahof und dem Fugger und Welser Erlebnismuseum Augsburg.
25.03.2026 | 19:00 Uhr
Ernst-Troeltsch-Raum, Annahof (Holl-Bau), Augsburg